Pfefferminze - erfrischend, kühlend und in aller Munde

Später Eroberungsfeldzug mit fulminantem Erfolg: Pfefferminze als Königin der Gewürzkräuter

Sie wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2004 gekürt und ist als Geschmacksgeberin in der Lebensmittelverarbeitung so beliebt, dass sie schon seit Jahrzehnten industriell angebaut wird: die Pfefferminze. Ihr botanischer Name lautet Mentha x piperita - und sie hat ihre relativ späte Entdeckung durch einen beeindruckenden Eroberungsfeldzug wettgemacht. Kaugummis und Hustenbonbons sind ohne den Geschmack der Pfefferminze undenkbar und mittlerweile gibt es sogar Pfefferminzeis und Desserts, in denen der frische Geschmack der Pfefferminze und die dunkle Wärme von Schokolade kontrastreich zusammenfinden. Pfefferminze wird Zahnpasten beigemischt, ist Basis für einen der beliebtesten Tees weltweit und hilft als Zutat von Erkältungssalben, wieder besser durchatmen zu können. Als Öl kann sie Juckreiz dämmen und Nervenschmerzen lindern und sogar gegen akute Migräneattacken eingesetzt werden. Ob jung oder alt: Fast jeder Mensch liebt den Geschmack und Geruch der Pfefferminze und fühlt sich durch ihr Aroma automatisch erfrischt und geklärt. Pfefferminze macht den Kopf frei und lässt uns befreiter Luft holen - und sie hat die seltene Eigenschaft, unsere Kälterezeptoren zu aktivieren, weshalb sich Hautstellen, die mit dem Öl der Pfefferminze eingerieben wurden, sich tatsächlich für eine Weile deutlich kühler anfühlen.

Obwohl die Pfefferminze erst im 18. Jahrhundert in Europa bekannt wurde, hat die Mentha Piperita als Heilpflanze eine uralte Tradition. So fand man Minzen als Grabbeigabe in Ägypten, wo sie bereits vor über 3000 Jahren angebaut wurden. In der Antike setzten Ärzte auf die Heilkräfte der Minze, um eine Vielzahl von Beschwerden auf natürlicher Basis zu therapieren. Die Pfefferminze ist jedoch eine spezielle Minzart, die sich von anderen Minze-Pflanzen unterscheidet und ein besonderes Gewächs im reichhaltigen Garten von Mutter Natur darstellt.

Pfefferminze und Marokkanische Minze: Das sind die Unterschiede

Insgesamt existieren weltweit um die 30 unterschiedliche Arten, die alle zur Gattung der Minze (Mentha) gehören und von denen einige auch in Europa ihre ursprüngliche Heimat haben. Die Pfefferminze ist eine Hybride unter den Minzpflanzen: Sie entstand aus einer Kreuzung der Bachminze (Mentha aquatica) und der Grünen Minze (Mentha spicata; auch englische Minze genannt) und hat einen besonders hohen Anteil an Menthol. Dieses ätherische Öl verleiht ihr ihre auffällige Frische; ihr kühlender Effekt hat sie zu einer solch begehrten Gewürzpflanze reifen lassen. Entdeckt wurde sie hierzulande zwar recht spät - danach gab es für die Pfefferminze Mentha x piperita allerdings kein Halten mehr.

Im Vergleich zur echten Pfefferminze kommt die Marokkanische Minze deutlich sanfter und milder daher. In den vergangenen Jahren hat sie sich zu einer beliebten Teepflanze gemausert und wird von vielen Teeliebhabern wegen ihrer feinen, honigartigen Süße geschätzt. Außerdem hat sie als Zugabe für den Mode-Drink Hugo einen wahren Siegeszug gefeiert. Auch für den Cocktail Mojito wird häufig Marokkanische Minze verwendet. Ihr kühlender Effekt ist nicht so stark wie der der Pfefferminze und sie kann frisch auch wunderbar mit cremigen Joghurts und Desserts kombiniert werden. Die Mentha spicata hingegen, die im Englischen spearmint genannt wird, ist in Großbritannien eine traditionelle Zutat für deftige Soßen und im Geschmack pikanter als ihre Schwester aus Nordafrika.

Für Heilzwecke kommt hierzulande fast immer die Pfefferminze Mentha piperita zum Einsatz. Pfefferminztee kann Magen Darm Beschwerden lindern, Übelkeit abklingen lassen und den Appetit anregen. Das ätherische Öl wirkt bei vielen Menschen aber auch anregend und ausgleichen auf das Gemüt. Frauen, die unter Schwangerschaftsübelkeit in Verbindung mit einer erhöhten Sensibilität für Gerüche leiden, tun gut daran, immer ein Fläschchen Minzöl bei sich zu tragen, an dem sie schnuppern, sobald ihr Magen gereizt reagiert. Manchen Schwangeren hilft auch das Kauen von Kaugummis, die mit Pfefferminze aromatisiert wurden. Trotzdem ist beim Thema "Pfefferminze Schwangerschaft" Vorsicht angebracht: Zu viel Tee auf Basis von Minze in der Schwangerschaft kann den Uterus stimulieren und dadurch vorzeitige Wehen auslösen.

Pfefferminze bei Erkältungen, Kopfschmerzen und Juckreiz - Chancen und Grenzen

Die besondere Kraft der Mentha Piperita, das ätherische Öl Menthol, birgt auch gleichzeitig die größten Risiken bei der Anwendung von Pfefferminze als Heilpflanze. Denn die Wirkung des Menthols kann bei einer Überdosierung schnell ins Gegenteil kippen - statt Übelkeit zu mindern, löst sie dann Übelkeit aus, und anstatt den Magen Darm Trakt zu beruhigen, versetzt sie ihn in Aufruhr. Deshalb sollte immer behutsam mit der Pfefferminze als Heilkraut hantiert werden und dabei auf das bewährte Motto "Weniger ist mehr" gesetzt werden. Schon Paracelsus wusste: "Jedwedes Ding ist Gift, allein die Dosis macht's." In der richtigen Anwendung und bei einer vorsichtigen Dosierung kann die Pfefferminze jedoch viel Gutes bewirken. Nur bei Babys und Kleinkindern sowie Asthmatikern ist sie als Heilkraut vollkommen tabu. Das Einatmen des Menthols kann dazu führen, dass sich bei dieser Personengruppe die Atemwege verkrampfen und es dadurch zu akuter Luftnot kommt. Deshalb sollte man Babys auch niemals an einem Fläschchen Minzöl riechen lassen und ihre Brust und ihren Rücken auch nicht mit mentholhaltigen Erkältungssalben einreiben.

Die Mentha Piperita ist dennoch mit Fug und Recht zur Heilpflanze des Jahres 2004 gewählt worden. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, sie ist kostengünstig in der Anschaffung, kann problemlos im eigenen Garten angebaut werden und besticht vor allem durch ihre schmerzlindernden Eigenschaften bei der äußeren Anwendung, die schon manchem Migränepatienten segensreiche Dienste geleistet hat. Während für die Behandlung von Verdauungsbeschwerden das Trinken von Pfefferminztee hilfreich ist, sind bei der Behandlung von Erkältungen, Schmerzen und Juckreiz äußere Anwendungen von Pfefferminze oder Pfefferminztee erfolgsversprechend.

Pfefferminzöl wirkt im Vergleich zu Pfefferminztee um ein Vielfaches stärker, was den kühlenden Effekt betrifft. Hier kommt das Wort "Pfeffer" voll zum Zuge, denn das Öl besitzt im Gegensatz zum Tee eine Schärfe, die nach einer besonders achtsamen Verwendung verlangt. Denn wenn pures Pfefferminzöl auf die Schleimhäute oder ins Auge gelangt, kann das Menthol wie Feuer brennen und starke Schmerzen auslösen. Sei deshalb besonders vorsichtig, wenn du das pure Pfefferminzöl zum Einreiben verwendest. Bei Kopfschmerzen genügen ein bis zwei Tropfen, die du zuerst auf deine Fingerspitzen gibst und dann auf der Stirn oder deinen Schläfen sanft einmassierst. Wasche dir anschließend gründlich deine Hände, damit nicht versehentlich Reste des Öl in deine Augen gelangen. Das gleiche gilt, wenn du das Pfefferminzöl verwendest, um damit Nervenschmerzen, beispielsweise an deinen Handgelenken oder in deinem Nacken, zu lindern.

Zum Inhalieren bei Erkältungsbeschwerden muss das Minzöl unbedingt verdünnt werden. Wenige Tropfen genügen, um von dem befreienden Effekt des Menthols auf verschleimte Atemwege profitieren zu können. Neurodermitis-Patienten, die unter starkem Juckreiz leiden, können versuchen, ihre Haut durch die kühlende Wirkung des ätherischen Öls zu beruhigen. Dafür kannst du saubere Baumwolltücher mit einem starken Pfefferminztee tränken oder alternativ wenige Tropfen Pfefferminzöl mit einem Liter Wasser vermischen und die Baumwolltücher darin einweichen. Wringe sie gründlich aus und lege sie dann auf die juckenden Stellen. Die Haut muss dafür aber vollkommen intakt sein! Ist sie bereits aufgekratzt, kann das Menthol der Mentha Piperica sie reizen und dadurch zusätzlich aus dem Gleichgewicht bringen. Um deinen Geist zu klären und einen müden Kopf wieder in Schwung zu bringen, kannst du Pfefferminzöl auch in einer Duftlampe oder einen Aroma Diffuser vernebeln und deine Räume damit bedampfen.

Minze pflanzen und Minze ernten: Mit diesen Tipps geht nichts schief

Du kannst Pfefferminze auch in deinem eigenen Garten anbauen und ihre Blätter damit jederzeit für die Behandlung von Magen Darm Beschwerden nutzen. Die Arzneipflanze des Jahres 2004 wird bis zu 90 Zentimeter hoch und hat starke Wurzeln, die sich breitflächig in alle Richtungen ausdehnen. Deshalb ist es sinnvoll, ihnen beim Minze Einpflanzen mit festen Beetgrenzen Einhalt zu gebieten. Du kannst unterschiedliche Minzen zusammen in einem Beet oder verteilt im Garten ansiedeln. Als Minze Standort sind sonnige bis halbschattige Plätze mit einem durchlässigen Boden zu bevorzugen.

Minze pflegen und Minze gießen: Hierfür braucht es keine ausgeklügelten gärtnerischen Kenntnisse. Das Heilkraut ist angenehm pflegeleicht und muss lediglich regelmäßig mit Wasser versorgt und ab und zu gedüngt werden. Wenn du die Minze zurückschneiden möchtest, solltest du dafür einen Tag im März wählen. Das Minze schneiden fördert den Wuchs der Pflanze. Du wirst wahrscheinlich beobachten können, dass sie danach kräftig austreibt und üppiger wächst als im Vorjahr.

Zwischen Juli und September bilden sich die Blüten der Pfefferminze, deren Farben von einem tiefen Lila bis zu einem zarten Rosa reichen können. Die Pfefferminzblätter sind an ihren Rändern grob gezahnt und fallen durch ihre violette Nervatur auf. Schon bei festerem Druck verströmen sie ihren angenehmen Minze-Duft - und sie sind es auch, die für die Heilanwendungen wichtig sind. Die anderen Bestandteile der Pfefferminze werden hingegen kaum für die Verarbeitung genutzt. Die Pfefferminzblätter enthalten bis zu 4 Prozent ätherisches Öl, wobei das Menthol den Löwenanteil einnimmt. Pfefferminze ernten: Für die Ernte solltest du einen sonnigen, trockenen Mittag kurz vor dem Aufblühen der Minze wählen, da die Konzentration der ätherischen Öle zu diesem Zeitpunkt am höchsten ist. Ernte die Pfefferminzblätter nicht einzeln, sondern schneide mit einer sauberen, scharfen Küchenschere die Triebe ab und schüttle sie vorsichtig aus, um Sand oder Erdreste zu entfernen.

Minze trocknen: An der Luft, im Backofen und im Dörrautomaten möglich

Nun kannst du die Blätter von den Stielen putzen und trocknen. Das ist sowohl an der Luft in einem geschützten, warmen und staubfreien Raum, mit dem Dörrautomaten oder dem Backofen möglich. Die Temperatur sollte die 40 Grad dabei auf keinen Fall überschreiten und das Trocknen schnell vonstatten gehen, da die Pfefferminz Blätter sonst an Aroma und Heilkraft einbüßen. Den optimalen Trockenzustand der Pfefferminzblätter erkennst du daran, dass sie zu rascheln beginnen, wenn du sie leicht bewegst. Pfefferminze Pflanzen in der Mikrowelle zu trocknen, ist jedoch keine gute Idee. Denn dabei gehen die wertvollsten Inhaltsstoffe verloren und auch das Aroma ist nicht mit dem von Minzen zu vergleichen, die an der Luft oder im Backofen gedörrt wurden.

Verpacke den getrockneten Pfefferminztee direkt nach dem Auskühlen, damit die Blätter sich nicht mit Feuchtigkeit aus der Luft vollsaugen. Schraubgläser mit fest sitzenden, gut abschließenden Deckeln sind ideal geeignet, um die Pfefferminzblätter zu konservieren und die Minze Wirkung über mehrere Monate hinweg für sich nutzen zu können. Dass Pfefferminztee gesund ist, ist inzwischen unumstritten - vorausgesetzt, man hält sich an die richtige Dosierung. Doch in der Qualität und im Geschmack gibt es große Unterschiede. Kenner sind sich darin einig, dass Pfefferminz-Produkte und getrocknete Minze aus dem eigenen Garten immer die beste Qualität bieten und unvergleichlich schmecken. Selbst als eingefleischter Pfefferminz-Fan wirst du das Aroma der Pfefferminze möglicherweise noch einmal ganz neu für dich entdecken können, wenn du sie selbst anbaust und das Minze trocknen mit der Zeit perfektionierst.

Minze einfrieren: So konservierst du die Blätter am besten

Ob ein Cocktail mit Minze, Desserts mit Minzblättchen oder Erdbeermarmelade mit Minze - es gibt Rezepte, für die die frische Minze gefragt ist und bei deren Zubereitung die getrocknete Minze sich nicht anbietet. Bei allen Minze Arten, also auch bei der Mojito Minze, der Nana Minze oder der Hokuto Minze, ist es möglich, die frischen Blätter zum Aufbewahren einzufrieren. Kälte verträgt die Pfefferminze optimal, weshalb das Minze überwintern auch für die Anfänger unter den Hobbygärtnern keine Herausforderung darstellt - sie hält sogar bis zu minus 20 Grad stand. Sobald die Minze blüht, ist das Aroma der Blätter am intensivsten. Jetzt solltest du sie ernten. Mit einem Trick gelingt dir das Einfrieren garantiert: Verteile die Minzblätter auf einem großen Teller und stelle diesen für ein bis zwei Stunden in das Eisfach. Danach kannst du die angefrorenen Blätter zusammen in einen Behälter umfüllen, ohne dass sie aneinander kleben bleiben, und bei Bedarf die entsprechende Menge entnehmen.