Weltfrauentag: Für Gleichberechtigung und ein selbstbestimmtes Leben

Am 8. März machen sich rund um den Erdball Frauen für ihre Rechte stark

Es ist kein Geheimnis, dass Gleichberechtigung von Männern und Frauen noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Selbst in den westlichen Industrienationen gibt es insbesondere im beruflichen Umfeld immer noch zahlreiche Benachteiligungen für Frauen. In vielen Branchen bekommen sie weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen, auch wenn sie die gleichen Qualifikationen aufweisen. Zudem ist es für viele Frauen nach wie vor ein Spagat, Mutterschaft und Beruf stressfrei unter einen Hut zu bekommen. Doch beim Internationalen Frauen Tag am 8. März geht es um mehr als "nur" berufliche Gleichberechtigung.

Das Thema Gewalt gegen Frauen ist auf der ganzen Welt omnipräsent; insbesondere in Kriegsgebieten und Entwicklungsländern. Doch auch in Deutschland haben Studien zufolge zirka 25 Prozent der Frauen zwischen 16 und 85 Jahren schon einmal Gewalt innerhalb ihrer Beziehung erlebt. Amnesty International schätzt, dass rund ein Drittel der Frauen weltweit in ihrem Leben bereits körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren haben.

Mit der Forderung nach Wahlrechten nahm die Frauenbewegung ihren Anfang

Bei der Entstehung des Internationalen Frauentag jedoch standen die Wahlrechte, der Wunsch nach gleichen Bildungschancen und der Ruf nach politischer Selbstbestimmung im Mittelpunkt. Es war die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, die 1910 auf dem II. Kongress der Sozialistischen Internationalen klar und deutlich bekundete, dass Rechte für Frauen keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte seien - und damit den Grundstein für neue Entwicklungen legte.

Schon ein Jahr später zogen Frauen in friedlichen Demonstrationszügen durch die Straßen von Deutschland, Dänemark, Österreich und der Schweiz, um für das Frauenwahlrecht zu plädieren und auf die fehlende Gleichstellung aufmerksam zu machen: Die Frauenbewegung war geboren. Es dauerte in Deutschland noch acht zähe Jahre lang, bis den Frauen endlich das Wahlrecht zugestanden wurde. Unfassbar, aber wahr: In der Schweiz bekamen Frauen erst im Jahre 1971 die Chance zugestanden, wählen zur gehen.

Je nach gesellschaftlichen Themen und dem aktuellen Zeitgeschehen stehen am Weltfrauentag am 8. März andere Themen im Vordergrund. Mittlerweile haben sich auch die Vereinten Nationen das Thema der Gleichstellung auf die Fahnen geschrieben und machen sich vor allem für den Kampf gegen die Gewalt an Frauen und Mädchen stark - ein Spannungsfeld, das nach wie vor aktuell ist und kontrovers diskutiert wird. Mit dem Frauentag am 8 März sollen Zeichen gesetzt und die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden, dass die Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern noch keine Vergangenheit sind.

Auch wenn das Wahlrecht für Frauen heute in den westlichen Industrienationen als Selbstverständlichkeit gilt, herrscht in manch anderen Ländern diesbezüglich noch tiefstes Mittelalter. Frauen haben dort keine Möglichkeit, selbst über ihr Leben und ihren Körper zu bestimmen, und sind häufig der Willkür von Männern ausgesetzt. Dank der Einführung eines internationalen Frauentages, der sich nicht nur aktuellen Themen widmet, sondern auch die Frau und den Weltfrieden miteinander in Verbindung bringt, kann nicht vergessen werden, was noch im Argen liegt. Denn erst, wenn Frauen überall auf der Welt selbstbestimmt und angstfrei ihr Leben gestalten können und Rechte von Frauen nicht mehr mühsam erkämpft werden müssen, kann sich dauerhaft Frieden einstellen und psychologische Kriegstaktiken wie systematische Massenvergewaltigungen gehören endlich der Vergangenheit an.

Die Rechte der Frau im Fokus: Der Internationale Frauentag hat eine lange Geschichte

Der Internationale Frauentag erlebte seine Geburtsstunde am 19. März 1911 - für die Frauenbewegung und die beginnende Gleichberechtigung von Frau und Mann ein historisches Datum. Damals war das Ziel der Frauen, die auf neun Versammlungen ihre Stimme erhoben, endlich wählen gehen zu dürfen und dadurch politische Mitbestimmung zu erlangen. Frauen in Deutschland war es damals verboten, wählen zu gehen. Auch im Bereich der Bildung, vor allem an den Universitäten, gab es kaum zu überwindende Hürden.

Was heute selbstverständlich ist, war zu diesen Zeiten ein seltenes Gut: Frauen brauchten die Zustimmung ihrer Männer, um studieren und arbeiten gehen zu dürfen. Für viele junge Frauen war der höhere Bildungsweg aber auch seitens ihrer Eltern von Vornherein ausgeschlossen. Sie sollten möglichst schnell Kinder in die Welt setzen und eine "gute Hausfrau" sein. Obwohl der erste internationale Frauentag seine Wirkung zeigte und den Frauen in Deutschland schon bald mehr Mitbestimmung in politischen Dingen ermöglichte, dauerte es noch Jahrzehnte, bis Frauen nicht mehr die Erlaubnis ihrer Ehemänner einholen mussten, um einen Job anzunehmen, und erst im Jahre 1997 wurde die Vergewaltigung in der Ehe als Strafbestand eingestuft.

In der NS-Zeit wurde der Frauentag in Deutschland verboten

In den Jahrzehnten zuvor gab es ebenfalls herbe Rückschläge im Zusammenhang mit dem Weltfrauentag und bezüglich der Frauenrechte. In der NS-Zeit wurde der Frauentag im Zuge der Nazi-Propaganda verboten und durch den Muttertag "ersetzt". Frauen wurde die Hauptaufgabe zugewiesen, ihrer "biologischen Verpflichtung" nachzukommen. Erst Ende der 60er Jahre, als zahlreiche Frauen auf die Straßen gingen und für ihre sexuelle Selbstbestimmung demonstrierten, bekam die Frauenbewegung wieder neuen Aufwind. Die Frauen kämpften darum, selbst über ihren Körper bestimmen zu dürfen, und sprachen sich vehement gegen den Abtreibungsparagraphen §218 aus, der Frauen, die abgetrieben hatten, kriminalisierte und stigmatisierte.

Heute hat sich der Weltfrauentag fest etabliert und sein weltweit gültiges Datum bekommen. In den vergangenen Jahren sind die Themen Genderisierung und Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt gerückt und werden auf vielfältige Weise in den Medien diskutiert - auch abseits des Weltfrauentags. Gleichzeitig wird immer mehr Menschen bewusst, dass Frauenwahlrecht und Frauenrechte in vielen Ländern noch ein Novum sind. In einigen Kriegs- und Krisenregionen ist es sogar immer noch üblich, Frauen massiv zu unterdrücken, ihre Genitalien zu verstümmeln und sie zwangszuverheiraten. Auch die Morde von weiblichen Neugeborenen gehören zu diesen Gräueln.

Am Weltfrauentag berichten deshalb fast alle Magazine und Zeitungen über die mit dem internationalen Frauentag verbundenen Themen und lassen Betroffene und Expertinnen zu Wort kommen, die über verschiedene Aspekte der Frauenbewegung aus eigener Erfahrung berichten - etwa über Gleichberechtigung von Frauen, Frauen in Führungspositionen und warum es wichtig ist, offen zu zeigen, was Frauen verdienen und im Vergleich dazu Männer. Hier herrscht vielerorts immer noch schreiende Ungerechtigkeit - auch in Deutschland Österreich und der Schweiz.

Mit dem internationalen Frauentag zu mehr Verständnis und Frieden

Der Weltfrauentag wird von vielen Frauen dazu genutzt, positive Aspekte der gelebten Weiblichkeit in den sozialen Medien zu präsentieren und darauf aufmerksam zu machen, dass wir uns am Weltfrauentag auch im Privaten auf unsere weiblichen Stärken besinnen und diese jeden Tag leben können. Denn nur, wenn wir uns selbst liebevoll annehmen und in unsere volle Kraft gehen, ohne uns selbst zu verurteilen und unsere weiblichen Seiten negativ zu bewerten, kann dieser Feiertag nachhaltige Veränderung bringen. Der Feminismus ist sanfter geworden - aber deshalb keinesfalls leiser oder gar wirkungslos. Im Gegenteil: Viele Frauen wagen es wieder, diesen Feiertag dazu zu nutzen, selbstbewusst ihre Rechte einzufordern, ohne "bessere Männer" werden zu wollen.

So beginnen auch viele Männer am Weltfrauentag zu begreifen, welche Arbeit im Bereich Frauenrechte noch vollbracht werden muss und welchen Mehrfachbelastungen viele Frauen sich aussetzen müssen, um Mutterschaft, Beruf und persönliche Entwicklung unter einen Hut zu bringen. Ein internationaler Frauentag kann dieses Bewusstsein weltweit stärken - und die Vereinten Nationen starten mit dem Internationalen Frauentag Kampagnen, die für neue Gesetze und Verbesserungen im sozialen System sorgen. Dank der Elternzeit beispielsweise entscheiden sich immer mehr Väter dazu, nach der Geburt ihres Kindes zu Hause zu bleiben und die Mutter aktiv zu unterstützen. Dem internationalen Frauentag ist es zu verdanken, dass diese Entwicklung nicht stehen bleibt und sich weiterhin Frauen, aber auch Männer für mehr Verständnis und Frieden zwischen Mann und Frau einsetzen.

Internationaler Frauentag - in Zukunft überall au der Welt ein Feiertag?

In Deutschland ist der Frauentag, der gleichzeitig als ein Tag der Vereinten Nationen gilt, kein gesetzlicher Feiertag. Der deutsche Weltfrauentag 2021 fällt im Gegensatz zum sonntäglichen Weltfrauentag 2020 auf einen ganz normalen Montag - aber das nimmt ihm nichts an seiner Power. Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seitdem ein Internationaler Frauentag ins Leben gerufen wurde, der nun traditionell am 8. März gefeiert wird. Und es ist durchaus möglich, dass er auch bei uns ein gesetzlicher Feiertag werden wird. Denn in zahlreichen Ländern ist der Welt Frauen Tag bereits ein Feiertag - zum Beispiel unter anderem in der Mongolei, in Nepal, in Russland, im deutschen Stadtstaat Berlin, in Angola und in China. 8. März Weltfrauentag - dieses Datum schreibt schon jetzt Geschichte und macht Hoffnung für eine Zukunft, in der nicht mehr darüber diskutiert werden muss, ob Frau und Mann gleichberechtigt leben, und der 8. März in erster Linie dazu dient, die vielfältigen Wunder der weiblichen Qualitäten zu feiern und zu ehren.