Schwangerschaftsübelkeit

Ein positiver Schwangerschaftstest ist für viele Frauen ein Grund zur Freude. Die meisten Schwangerschaften verlaufen komplikationslos und gesund und doch gehören kleine Wehwehchen und Zipperlein, die klassischen Schwangerschaftsbeschwerden, natürlich auch dazu. Sie rufen immer wieder in Erinnerung, wie viel der weibliche Körper doch eigentlich rund um die Uhr leistet, um neues Leben zu erschaffen.

Wann beginnt die Schwangerschaftsübelkeit?

Die vermutlich bekannteste Beschwerde in der Frühschwangerschaft ist die Schwangerschaftsübelkeit. Neben spannenden und empfindlich Brüsten ist dies auch oft das erste deutliche Anzeichen der Schwangerschaft. Gerade in den ersten zwölf Wochen, also dem ersten Trimester, haben mehr als 70 Prozent der Schwangeren mit morgendlicher Übelkeit zu kämpfen. Was genau im Körper dieses Problem verursacht, ist noch nicht abschließend geklärt und auch die Ausprägung der Schwangerschaftsübelkeit ist durchaus sehr unterschiedlich. Manchen Schwangeren ist in den ersten Phase einfach nur etwas flau im Magen und sie haben das Bedürfnis nach viel Ruhe. Häufig zeigt sich Übelkeit und Erbrechen vor allem am Morgen, teilweise in Verbindung mit Kreislaufproblemen. Dass der Schwangeren den ganzen Tag übel ist und sie einfach kein Essen im Magen behalten kann, kommt allerdings auch vor. Auch ein Gefühl von Übelkeit ohne Erbrechen gibt es. Glücklicherweise hört bei den meisten Frauen dieses Problem nach dem ersten Trimester von alleine wieder auf. Dennoch heißt es in diesem Zeitraum vor allem gute Nerven bewahren und abwarten.

Die Schwangerschaftshormone

Es ist zwar noch nicht vollständig geklärt, aber vermutlich hängt die Schwangerschaftsübelkeit mit dem stark und rasch ansteigenden hCG-Wert zusammen. Dieses Hormon (humanes Choriongonadotropin, kurz hCG) tritt in der Schwangerschaft auf und ist ein Marker in den meisten Schwangerschaftstests. Für den Erhalt der Schwangerschaft ist hCG sehr wichtig, da es in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen den Gelbkörper des Eierstocks stimuliert und so verhindert, dass die Gebärmutterschleimhaut sich ablöst. Und vermutlich löst genau diese hormonelle Veränderung bei vielen Frauen die typische Schwangerschaftsübelkeit aus. Eine Studie¹ aus dem Jahr 2016 konnte zeigen, dass Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit ein 50 - 75 Prozent geringeres Risiko für eine Fehlgeburt hatten, im Vergleich zu Frauen ohne Beschwerden in der ersten Phase der Schwangerschaft. Im Grunde ist daher die Schwangerschaftsübelkeit ein "gutes Zeichen". Mit dem Absinken von hCG nach zwölf Wochen verschwindet meist auch die Übelkeit. Eine weitere hormonell verursachte Veränderung in der Schwangerschaft ist die bessere Durchblutung der Nasenschleimhäute. Dies bewirkt vor allem, dass Frauen deutlich geruchsempfindlicher sind und einfach besser riechen. Selten kann es dadurch verstärkt zu Nasenbluten kommen. Häufiger merken Frauen, dass ihnen zum Beispiel von dem Geruch von Kaffee übel wird. Das ist natürlich in Verbindung mit einer unterschwelligen Übelkeit eine besondere Herausforderung und kann Veränderungen der Essgewohnheiten mit sich bringen.

Dem Baby geht es gut

Viele Frauen machen sich Sorgen um ihr Baby, wenn sie von Übelkeit geplagt im Bett liegen und nur wenig Nahrung aufnehmen oder bei sich behalten können. Doch hier besteht in der Regel kein Grund zur Sorge, denn der weibliche Körper versorgt primär das Baby und hat dafür genug Reserven. Hier sollte eher im Fokus stehen, dass die werdende Mutter genug Pausen hat und gut für sich sorgt. Das Baby ist in der embryonalen Phase noch sehr klein und liegt gut geschützt im Becken. So hat auch das krampfartige Zusammenziehen von Magen und der Bauchmuskulatur beim Erbrechen keine Auswirkung auf die Gebärmutter oder das ungeborene Kind.

Ruhe ist wichtig

Wenn Frauen beruflich oder privat enorm unter Druck stehen, wirkt sich dies teilweise verstärkend auf die Übelkeit in der Schwangerschaft aus. Körperliche Ruhe und vor allem auch psychische Entlastung sind in dieser Zeit besonders wichtig. Der begleitende Arzt kann dies bei Notwendigkeit über eine Krankschreibung, ein Beschäftigungsverbot oder eine Haushaltshilfe unterstützen. Im familiären Umfeld ist vor allem emotionales Verständnis und Unterstützung wichtig und hilfreich. Frau sollte sich in dieser Phase ohne Druck und ohne schlechtes Gewissen ausruhen und erholen können. Viel Schlafen und insgesamt langsam machen ist in dieser Phase angebracht. Oft ist der Kreislauf sehr gefordert und der Blutzucker nicht so stabil – dann kann es gerade beim Aufstehen zu Schwindel und Kreislaufbeschwerden kommen. Frauen mit ausgeprägter Schwangerschaftsübelkeit fehlt häufig einfach Energie. Das Bedürfnis nach Schlaf kann den ganzen Tag und auch über mehrere Wochen sehr hoch sein.

Hyperemesis gravidarum

Selten kommt es zu einer sehr ausgeprägten Form der Schwangerschaftsübelkeit, der sogenannten "Hyperemesis gravidarum". Dies geht weit über das normale Beschwerdebild hinaus. Wenn die Frau nicht einmal mehr Wasser trinken kann und kaum Essen bei sich behält, ist ein ärztliche Behandlung notwendig. Medikamente einzunehmen ist in der Regel bei ausgeprägter Schwangerschaftsübelkeit eine große Herausforderung oder komplett undenkbar. Im Krankenhaus ist es möglich, die notwendigen Medikamente und Nährstoffe über einen venösen Zugang zu verabreichen. Daher ist Hyperemesis gravidarum einer der häufigsten Gründe für einen stationären Aufenthalt in den ersten Wochen der Schwangerschaft. Wenn die Frau keine Nahrung mehr bei sich behalten kann, wird sie im ausgeprägten Fall mit intravenöser Nahrung versorgt und der Magen somit entlastet. Diese extreme Variante kommt zum Glück sehr selten vor.

Hausmittel gegen Übelkeit

Ein Patentrezept gegen Schwangerschaftsübelkeit gibt es leider nicht, aber dafür einige Tricks und Hausmittel, die helfen können. Ausprobieren lohnt sich.

Ingwer kann ganz einfach als Tee aufgebrüht werden. Du bekommst Ingwer am Stück im Supermarkt oder er ist bereits Bestandteil einer leckeren Teemischung. Ingwer kann sowohl warm als auch kalt getrunken werden. Viele Schwangere empfinden den Geschmack als angenehmen und berichten von einer Verbesserung ihrer Schwangerschaftsübelkeit, wenn sie regelmäßig Tee mit Ingwer trinken. Gerade wenn man Ingwer nicht gewöhnt ist, sollte man hier über die jeweilige Dosierung mit der betreuenden Hebamme oder dem Frauenarzt Rücksprache gehalten werden.

Unser mom to mom Bauchliebe-Tee enthält ebenfalls Ingwer aus kontrolliert biologischem Anbau und kann dir besonders im ersten Trimester helfen, deinen Körper auf die Schwangerschaft einzustellen.

Aromatherapie kann eine gute Unterstützung bieten, gerade wenn man sehr geruchsempfindlich ist. Vor allem Zitrusfrüchte wie Zitrone, Orange, Limette oder Mandarine sind bei Schwangerschaftsübelkeit sehr beliebt. Man kann die Öle in verdünnter Form auf das Handgelenk geben und dann bei Bedarf daran riechen. Alternativ auf ein Tuch tropfen und dies zum Riechen rausholen. Wichtig ist bei ätherischen Ölen immer auf die Reinheit zu achten. Die Öle sollten nicht chemisch gestreckt oder verändert sein, denn das kann sich negativ auswirken.

Viel Trinken ist bei Übelkeit in der Schwangerschaft manchmal leichter gesagt als getan aber enorm wichtig. Gerade wenn man schwanger ist, sollte man auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten. Am besten auf Kohlensäure verzichten und dafür Tees in warmer oder kalter Form ausprobieren. Für den Geschmack kann man je nach persönlicher Präferenz Zitrone, Gurke oder Ingwer ins Trinkwasser geben. Insgesamt sind lauwarme Getränke und Kräutertees oft am bekömmlichsten. Neben Ingwer haben sich Pfefferminz, Kamille, Fenchel und Anis als Tee bewährt. Vier der genannten Kräuter befinden sich auch in unserem Nicht Übel-Tee.

Die Ernährung verändert sich oft in dieser Phase. Kleine Mahlzeiten sind leichter verdaulich als große und auf stark gewürztes sowie besonders fettiges Essen verzichten die meisten Schwangeren intuitiv. Direkt nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen schon eine Kleinigkeit im Bett zu essen, ist einen Versuch wert. Trockenes Essen wie Zwieback, Knäckebrot oder trockene Kekse stabilisieren den Blutzucker und belasten den Magen nicht. Verlasse dich auf dein Gefühl und habe auch für unterwegs immer Snacks dabei. Tatsächlich kann manchmal gerade regelmäßiges Essen auch helfen, wenn einem häufig übel ist.

Akupunktur kann bei vielen Schwangerschaftsbeschwerden helfen und so auch bei Schwangerschaftsübelkeit. Wende dich hier am besten an deine Hebamme. Alternativ gibt es Armbänder gegen Übelkeit, die am Handgelenkt Akupressurpunkte stimulieren. Diese sind eigentlich bei Problemen mit Reiseübelkeit gedacht aber auf jeden Fall einen Versuch wert.

Frische Luft tut Körper und Seele gut. Wenn die Energie dafür ausreicht, ist ein ruhiger Spaziergang zum Durchatmen eine gute Idee. Hier kann die Seele entspannen, der Kreislauf kommt etwas in Schwung und gleichzeitig ist die frische Luft angenehm. In der Schwangerschaft und gerade bei anhaltender Übelkeit ist es wichtig, immer wieder auf das Körpergefühl zu hören. Brauchst du gerade Ruhe und Schlafen ist hilfreich, oder ist ein langsamer Spaziergang für das emotionale Befinden in dieser Schwangerschaftswoche gerade genau das richtige? Dies wird sich immer wieder verändern und jede Schwangere darf hier nach innen horchen und sich danach entscheiden.

Und wann hört Schwangerschaftsübelkeit auf?

Die Übelkeit in der Schwangerschaft hört zumeist nach dem ersten Trimester auf. Das Erbrechen lässt nach, die Schwangere fühlt sich insgesamt stabiler und kräftiger. Wenn sich der Magen morgens nicht mehr flau anfühlt, atmet die Schwangere in der Regel erstmal durch und freut sich, dass der Tag nicht mehr "übel" anfängt. Die ausgeprägte Reaktion auf Kaffee kann übrigens für die gesamte Schwangerschaft anhalten, löst aber in der Regel keine Übelkeit mehr aus. Wichtig ist es, bei Schwangerschaftsübelkeit ruhig zu bleiben und die neue Situation entspannt anzunehmen. Gleichzeitig darauf zu vertrauen, dass die Übelkeit zwar für die werdende Mutter anstrengend ist, aber keinen negativen Einfluss auf das Baby hat.

1 https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2553283