Milchstau: Tipps, die wirklich helfen

Das eigene Kind zu stillen ist etwas ganz Besonderes. Viele Frauen wünschen sich diese Erfahrung und haben gleichzeitig Bedenken und Sorgen in Bezug auf Stillprobleme wie Milchstau, wunde Brustwarzen oder sogar eine Brustentzündung. Doch wie kommt es überhaupt dazu und wie kannst du einen Milchstau erkennen? Und vor allem: Wie kannst du einem Milchstau vorbeugen? Alles was du über das Thema Milchstau wissen solltest, erfährst du im folgenden Artikel!

Klassische Milchstau Symptome

In der Stillzeit produziert dein Körper in den Milchdrüsen der Brust konstant Milch. Die Menge variiert und passt sich stets an den Bedarf des Kindes an. Bei einem Milchstau kann die produzierte Milch in der Brust nicht oder nicht ausreichend durch die Milchgänge abfließen und staut sich. Es kommt zu schmerzhaften Schwellungen und Verhärtungen in der Brust. Die überschüssige Milch in den gefüllten Milchdrüsen kann man teilweise von außen als kleine Knötchen tasten und in seltenen Fällen bilden sich auch dezente Rötungen in diesem Bereich. Schon bei den ersten Symptomen eines Milchstaus ist schnelles Handeln wichtig, denn die Schwellung in der Brust verhindert das Abfließen der Milch und kann das Problem dadurch verstärken. Sollte sich ein Milchstau zu einer Brustentzündung weiterentwickeln, verschlimmern sich die Symptome. Die Brust ist dann großflächig gerötet und sieht entzündet aus. Du wirst dich bei einer Brustentzündung schnell wirklich krank fühlen. Schüttelfrost zeigt das steigende Fieber an und wird dich zur Bettruhe zwingen. Daher sollten auch milde Symptome bei einem Milchstau ernst genommen und schnell behandelt werden, um die Entwicklung zu einer Brustentzündung zu vermeiden.

Sonderfall Milcheinschuss

Etwa zwei bis vier Tage nach der Geburt verstärkt sich bei der stillenden Frau die Milchproduktion und der sogenannte Milcheinschuss zeigt sich. Die Brüste werden praller, schwerer und fühlen sich manchmal wärmer an. Durch Hormone und das Saugen des Kindes an der Brust wird die Milchbildung stimuliert. Die Milchdrüsen in der Brust füllen sich und beim Stillen kann der Körper mit Hilfe des Milchspendereflexes, und natürlich durch das Saugen des Kindes die Milch über die Milchgänge abgeben. Beim ersten Milcheinschuss, auch initiale Brustdrüsenschwellung genannt, kommt es quasi zu einem physiologischen Milchstau, denn für eine gewisse Zeit ist das Angebot an Milch erstmal zu groß. In kurzer Zeit hat sich der Körper dann an den tatsächlichen Bedarf des Kindes angepasst und alles ist wieder etwas entspannter. Im weiteren Verlauf der Stillzeit sind die Ursache für einen Milchstau etwas anders und als stillende Frau wirst du hier sicherlich ein gutes Gefühl für deine Brust entwickeln und erste Symptome frühzeitig erkennen.

Ursachen für einen Milchstau

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einem Milchstau führen können. Grundsätzlich ist die Brust in der Stillzeit besonders empfindlich und benötigt entsprechend Aufmerksamkeit. Gerade in den ersten Tagen der Milchbildung schießt der Körper manchmal etwas über das Ziel hinaus. Produziert dein Körper mehr Milch, als das Kind trinken kann, besteht die Gefahr für einen Milchstau. Das kann auch passieren, wenn dein Kind durch längeres Schlafen eine Mahlzeit auslässt. Mutter und Kind entwickeln mit der Zeit einen individuellen Stillrhythmus und der weibliche Körper passt die Milchproduktion an diesen an. Bei Veränderungen kann die Milch sich stauen.Ein ungünstig sitzender BH, die Träger von deiner Wickeltasche, oder einfach nur Druck durch die eigenen Hände kann deine Stillbrust negativ beeinflussen. Achte unbedingt darauf, dass dein Still-BH bequem ist und dich an keiner Stelle drückt oder einengt. Wenn du beim Stillen deine Brust hältst, lass deine Finger entspannt und übe nur so viel Druck aus, wie unbedingt notwendig. Die Träger von Taschen oder Rucksäcken sollten niemals deine Brust abschnüren oder quetschen. Auch der eigene Arm, der im Schlaf ungünstig unter der Brust liegt, kann Probleme erzeugen. Selbst sanfter Druck kann über einen längeren Zeitraum zu einem Milchstau führen.

Tatsächlich ist emotionaler Stress gar nicht so selten die Ursache für einen Milchstau. "Die Seele schickt den Körper vor" heißt es so schön und treffend. Denn manchmal entwickelt sich ein Milchstau, wenn die stillende Frau zu arg unter Druck steht, sich alleingelassen oder einfach überfordert fühlt. Die körperlichen Symptome legen Ruhe und Unterstützung von außen nahe und so kann es in emotional stressigen Zeiten tatsächlich auch mal zu einem Milchstau kommen. Ein klassischer Zeitpunkt wäre hier zum Beispiel, wenn der Partner oder die Partnerin nach den ersten Wochen zu Hause zum ersten Mal wieder arbeiten gehen muss. Tief durchatmen und offen über das eigene Empfinden sprechen und gemeinsam nach einer Lösung suchen, ist hier ganz wichtig.

Milchstau - Was tun? So kannst du den Milchstau lösen!

Willst du einen Milchstau behandeln, sind die wichtigsten Maßnahmen: körperliche Ruhe und die Ursache finden. Leg dich ins Bett und lass dich umsorgen und unterstützen. Die Fachmeinung von einer Hebamme oder Stillberaterin sind sicherlich hilfreich. Wenn du als Frau häufig mit dem Thema Milchstau Probleme hast, kennst du irgendwann die ersten Symptome und weißt vermutlich direkt, was dein Körper jetzt braucht. Natürlich gibt es auch für das Problem Milchstau Hausmittel, die dich gut unterstützen können, aber die Behandlung hängt immer von der Ursache ab. Diese muss immer als erstes erkannt und behoben werden, denn sonst hat man als Frau das Problem: ständig Milchstau oder sogar die Weiterentwicklung zur Brustentzündung. Beides gilt es zu vermeiden.

Abpumpen bei zu viel Milch?

Bei einem Milchstau Abpumpen kann hilfreich sein, um Milch aus der Brust zu bekommen und kurzfristig die Brust zu entlasten. Wird durch zu häufiges Abpumpen allerdings die Milchproduktion zusätzlich angeregt, verschleppt sich das Problem nur weiter. Die richtige Dosierung ist wichtig. Die überschüssige Milch muss abfließen, um die Ursache des Problems zu lösen. Am besten das Kind immer wieder zum Stillen motivieren, denn es entleert die Brust normalerweise am effektivsten. Gleichzeitig sollte die bestehende Schwellung und Rötung reduzieren werden. Das eine funktioniert gut mit Wärme - das andere besser durch Kälte. Du kannst vor dem Stillen deine Brust mit Wärme vorbereiten. So ist das Gewebe weich und gut durchblutet und die Milch fließt besser. Sobald die Brust geleert ist, kannst du mit Kälte gegen die Schwellung und Rötung arbeiten. In unserer Mamas Milch Box, die wir gemeinsam mit Kaiserschlüpfer entworfen haben, findest du neben unserem Still-Tee Mamas Milch auch die Kälte- und Wärmepads der Busenfreundinnen.  

Quarkwickel und Kohlwickel

Direkt aus dem Kühlschrank und der klassischen Hausapotheke sind diese beiden Varianten super, um die Brust zu kühlen und so kannst du effektiv einen Milchstau behandeln. Den Quark kannst du direkt auf die Brust auftragen oder Wickel vorbereiten und dann einige Minuten wirken lassen (die Brustwarze bitte aussparen). Für Kohlwickel benötigst du Weißkohl und musst diesen mit einem Nudelholz (am besten Frischhaltefolie drumwickeln) oder einfach mit einer Glasflasche vorsichtig ausrollen, bis die Säfte austreten. Dann die Kohlblätter auf die Brust auflegen und einige Minuten in Ruhe wirken lassen.

Pack den Vibrator aus!

Kein Witz! Tatsächlich können sanfte Vibrationen an der Brust das Gewebe lockern und das Auflösen des Milchstaus unterstützen. Ob du dafür deinen Vibrator nutzt oder die elektrische Zahnbürste ist egal. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall.

So kannst du einem Milchstau vorbeugen

Bei ersten Anzeichen von einem Milchstau solltest du dir rasch Unterstützung durch deine Hebamme oder eine Stillberaterin holen. Je früher die Ursachen geklärt und behoben werden, desto milder ist der Verlauf. Wird ein Milchstau ignoriert, kann sich daraus eine Brustentzündung entwickeln. Selten ist dabei sogar ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig sein. Daher gilt Obacht bei ersten Symptomen und schnelles Handeln. Das A und O für eine gute Stillbeziehung ist eine gute Stilltechnik von Mama und Baby. Die Grundlagen bilden eine bequeme Stillposition für euch beide und ein passender Stillrhythmus. Lass dir helfen und setze dich mit all dem nicht unter Druck. Mit der Zeit werdet ihr euch als Team gut einspielen und die Stillzeit zunehmend genießen können.

Verfasst von Evi Bodmann, Hebamme

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