Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Das Thema Gewicht und Gewichtsveränderung ist für viele Frauen grundsätzlich nicht ganz einfach. Nun kommt es normalerweise immer zu einer Gewichtszunahme in der Schwangerschaft und viele Frauen stellen sich die Frage: Wie viel darf man eigentlich zunehmen? Wie viel ist zu viel? Was ist, wenn ich nicht genug zunehme? Und schnell sitzt man schon in der Frühschwangerschaft vor der Suchmaschine und sucht nach "Gewichtszunahme Schwangerschaft 1 Trimester" oder "Gewichtszunahme Schwangerschaft Verlauf" und hofft auf aussagekräftige Antworten. In jedem Fall ist die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sehr unterschiedlich und zwar nicht nur im Endgewicht, sondern auch im Verlauf, da es sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt.

Gewichtsveränderungen in der Schwangerschaft | 1. Trimester

Die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft ist sehr individuell und die normale Veränderung liegt bis zur Geburt bei etwa 8-18 kg. Bereits im 1. Trimester kann sich die Gewichtsentwicklung stark unterscheiden. Manche Frauen haben im 1. Trimester bereits acht Kilogramm zugenommen, andere  nehmen am Anfang sogar ab. Beide Entwicklungen können durchaus physiologisch und unbedenklich sein.

Als erstes sollten wir uns vielleicht anschauen, wie es überhaupt zu der Gewichtszunahme in der Schwangerschaft kommt. Denn dies setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Bereits zu Beginn der Schwangerschaft verändert ich das Herz-Kreislauf-System im weiblichen Körper. Das Blutvolumen erhöht sich im Laufe der Schwangerschaft um bis zu 40% und auch das Fassungsvermögen der Blutgefäße ist verbessert. Das Herz der Mutter vergrößert sich und so ist insgesamt eine bessere Durchblutung des gesamten Körpers gegeben. Allein durch diese Faktoren steigt das Gewicht der Schwangeren bereits im 1. Trimester an. Zudem sorgen Hormone, insbesondere Östrogen und Progesteron, für ein Wachstum der Brust und Veränderung des Drüsengewebes. Viele Frauen empfinden ihre Brüste bereits ganz zu Anfang der Schwangerschaft als größer, schwerer und vor allem empfindlicher. Das Baby fällt im 1. Trimester wortwörtlich kaum ins Gewicht, denn nach zwölf Wochen hat es mit einer Größe von etwa 5 bis 6cm gerade mal ein Gewicht von knapp 20g. Auch die langsam wachsende Gebärmutter sowie die Plazenta verändern sich in dieser Phase nur wenig. So nehmen Frauen im 1. Trimester durchschnittlich etwa 1,5 bis 2kg zu.

Schwangerschaftsübelkeit im 1. Trimester

Zu Anfang hat die typische Schwangerschaftsübelkeit einen großen Einfluss auf die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. Manchen Frauen ist konstant übel und essen fällt ihnen entsprechend schwer. Manchmal kommt sogar Erbrechen hinzu und die Gewichtszunahme ist eher gering. Einige Frauen nehmen in diesem Zeitraum sogar ab. Andere Frauen kämpfen ebenfalls mit Schwangerschaftsübelkeit, fühlen sich aber besser, wenn sie etwas essen. So ist ein häufiges essen in kurzen Abständen über den gesamten Tag hilfreich gegen das flaue Gefühl im Magen und kann auch bei Kreislaufbeschwerden für Besserung sorgen. In diesem Fall kann die Gewichtszunahme schon im 1. Trimester deutlich höher ausfallen. Hier solltest du als schwangere Frau gut auf deinen Körper hören.

Gerade eine ausgeprägte Schwangerschaftsübelkeit kann sehr kräftezehrend sein. Viel körperliche Ruhe ist hier besonders wichtig und nicht selten haben Frauen in dieser Phase ein besonders hohes Schlafbedürfnis. Zudem ist man durch die hormonelle Veränderung deutlich empfindlicher und einfach zarter besaitet. Konflikte oder Stress an der Arbeit belasten und schlagen einem auch mal auf den Magen. Entsprechend braucht Frau mehr Ruhe, um Emotionen zu verarbeiten und abschalten zu können. Diese Ruhephasen sollte man sich ohne schlechtes Gewissen gönnen und bei Bedarf auch mit der begleitenden Hebamme oder dem Frauenarzt sprechen. In manchen Fällen ist eine Krankschreibung bei ausgeprägter Schwangerschaftsübelkeit oder starker Müdigkeit durchaus notwendig und sinnvoll.

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Gewichtskontrollen in der Schwangerschaftsvorsorge

Das Gewicht wird in der Regel vom betreuenden Frauenarzt oder der Hebamme bei der Vorsorgeuntersuchung kontrolliert und im Mutterpass festgehalten. So kann man die Entwicklung über die gesamte Schwangerschaft beobachten. Die Schwangerschaftsvorsorge findet in Deutschland bis zur 30. Schwangerschaftswoche alle vier Wochen statt und ab dann alle zwei Wochen bis zum errechneten Geburtstermin. Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft zu beobachten, ist aus verschiedenen medizinischen Gründen sinnvoll. Wichtig ist hierbei, dass die Gewichtszunahme nicht immer linear verläuft und es auch phasenweise stagniert und dann bei der nächsten Kontrolle deutlich mehr Gewicht angezeigt wird. Hiervon sollte man sich erstmal nicht beunruhigen lassen. Da Gewicht für viele Frauen ein emotional schwieriges Thema ist, sollte hier immer entsprechend feinfühlig kommuniziert werden. Manche Frauen wiegen sich lieber nüchtern und nackt auf der eigenen Waage zu Hause und das geht völlig in Ordnung. Dieser Wert kann dann einfach in den Mutterpass eingetragen werden und so hat man im Grunde eine genauere Angabe als in der Arztpraxis, denn es gibt keine Verfälschung durch wechselnde Kleidung oder Schuhe, wie es in der Frauenarztpraxis oft der Fall ist. Gegen Ende der Schwangerschaft, und vor allem in der warmen Jahreszeit, kommt es für viele Frauen zu einer stärkeren Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen. Dies kann zwar durchaus unangenehm sein, ist aber in der Regel unbedenklich. Dennoch sollte man diese Veränderung im Auge behalten, vor allem, wenn es hier zu einem starken Anstieg innerhalb von kurzer Zeit kommt.

Gewichtszunahme bis zur Geburt
Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft setzt sich aus unterschiedlichen Faktoren zusammen. Anfangs ist es eher die Veränderung im Herz-Kreislauf-System und das erhöhte Blutvolumen, was zu einem leichten Gewichtsanstieg bei der Frau führt. Bei durchschnittlich gerade einmal 2kg gegen Ende des 1. Trimesters ist klar, dass der weibliche Körper hier noch keine großen Veränderungen zeigt. Der Bauch wächst ab dem 2. Trimester deutlich stärker und die Schwangerschaft wird dadurch immer offensichtlicher. Während das Baby in der 20. Schwangerschaftswoche gerade mal 250g wiegt und etwa eine Länge von 25cm hat, werden hier bereits die ersten Kindsbewegungen spürbar. Nur einen Monat später liegt das Baby bereits bei 600 bis 700g und um die 30. Schwangerschaftswoche wiegt es durchschnittlich schon 1350g. Bei der Geburt wiegt das Kind im Durchschnitt 3500g. Natürlich hat jedes Kind eine individuelle Entwicklung und man sollte sich nicht zu stark auf die Zahlen fixieren. Wichtig ist eine gleichmäßige Entwicklung. Die Gebärmutter entwickelt sich von ihrem ursprünglichen Gewicht von gerade mal 60g auf etwa 1300g. Dabei wird sie nicht nur größer, sondern der weibliche Körper bildet auch neue Muskelzellen. Die Plazenta versorgt während der gesamten Schwangerschaft das Kind und kommt als Nachgeburt mit etwa 650g auf die Welt. Gut 1l Fruchtwasser umgibt das Baby am Tag der Geburt. Gerade in den letzten Wochen der Schwangerschaft baut der Körper oft eine gewisse Reserve mit Wassereinlagerungen auf. Das können durchaus 1500g - 2000g sein. Für das erhöhte Blutvolumen und die Brüste kommen bis zur Geburt auch nochmal etwa 2000g dazu. Je nach Veranlagung und Ernährungsgewohnheiten können dann ein paar Kilo an zusätzlichen Energiereserven für die Geburt und die Stillzeit hinzukommen. Und so setzten sich die durchschnittlich 8 bis 18kg an Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ganz leicht zusammen.

Ernährung in der Schwangerschaft

Viele Frauen machen sich Sorgen, dass sie in der Schwangerschaft zu viel zunehmen. Und neben Veranlagung spielen regelmäßige Bewegung und vor allem die Ernährung in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Während der gesamten Schwangerschaft sollte man als Frau nicht für zwei essen, sondern nach Möglichkeit eher doppelt so gut. Der tägliche Kalorienbedarf ist zwar erhöht, aber gar nicht so viel, wie manche Frauen annehmen. Im letzten Trimester ist der Bedarf dabei am höchsten. Vor allem hat der Körper jedoch in der gesamten Schwangerschaft einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen und Vitaminen. Eine ehrliche Betrachtung der eigene Ernährung ist hier wichtig. Gesund und abwechslungsreich sollte die Ernährung sein, mit viel frischen Lebensmitteln und wenig Fertigprodukten. Sollte man den Mehrbedarf über die Ernährung selbst nicht abdecken können, ist eine entsprechende Supplementierung sinnvoll. Im Zweifel ein großes Blutbild machen zu lassen und die entsprechenden Werte exakt zu wissen, ist sicherlich eine gute Idee. Denn so weiß man, ob die Ernährung allein ausreicht oder ob ergänzende Produkte hilfreich für den Körper wären. Gerade für die Schwangerschaft gibt es zahlreiche Kombipräparate, die die wichtigsten Nährstoffe abdecken. Bei einem Mangel versorgt der Körper in der Regel soweit wie möglich erstmal das Baby. Ein Mangel wirkt sich also vor allem negativ auf den Körper der Mutter aus. Da auch nach der Geburt in der Stillzeit und im Alltag mit Baby viel Kraft benötigt wird, ist es wichtig den Körper hier bestmöglich zu versorgen.

Gewicht, Veränderungen und Emotionen
Nicht wenig Frauen hatten in ihrem Leben bereits mit einer Essstörung zu kämpfen oder sind mit ihrem Körperbild und ihrem Gewicht im Kampf. Sollte diese Thematik für dich belastend sein, ist ein ehrliches Gespräch mit dem begleitenden Frauenarzt und deiner Hebamme gleich zu Beginn der Schwangerschaft wichtig. Man kann zum Beispiel absprechen, dass dein Gewicht gar nicht im Mutterpass eingetragen und auch nicht mit dir kommuniziert wird, wenn dies emotional schwierig ist. Der Frauenarzt oder die Hebamme kann sich eine Notiz als "Gewichtszunahme ssw" in der eigenen Akte machen ganz ohne dass die Frau mit dieser Information in Kontakt kommt. Gleiches gilt für das Messen des Bauchumfangs. Es ist hier in keinem Fall eine Schande, wenn man gewisse Informationen nicht haben möchte und darüber für sein eigenes Wohlbefinden sorgt. Was für manche Frauen einfach nur interessant ist, kann eine andere Frau psychisch extrem belasten. Hier ist eine ehrliche Kommunikation ganz wichtig, denn du sollst dich in dieser besonderen Zeit wohl fühlen.

Bei den zahlreichen Veränderungen des eigenen Körpers ist es immer wieder wichtig, den Fokus auf dieses enorme Wunder zu lenken und sich in Dankbarkeit zu üben. Es ist unglaublich, was dein Körper da alles leistet. Ein kleiner Mensch entsteht in deinem Bauch! Gleichzeitig bedeutet Dankbarkeit nicht, dass man immer alles super findet. Wenn die Gewichtszunahme zu Schwangerschaftsstreifen führt oder du am Ende deine eigenen Füße nicht mehr sehen kannst, deine Knöchel durch Wassereinlagerungen schier nicht mehr sichtbar sind - da kann man sich auch mal im eigenen Körper unwohl fühlen. Und auch dieses Gefühl anzunehmen, ohne dich dafür zu verurteilen oder schlecht zu fühlen, ist ganz wichtig. Übe dich immer wieder daran, Dinge zu finden, die du schön und wunderbar an dir findest. Staune über alles, was dein wundervoller Körper schafft und stärke dich in einem Gefühl von Annehmen und Dankbarkeit in dieser besonderen Phase deines Lebens.

Verfasst von Evi Bodmann, Hebamme