Das erste Trimester

"Ich bin schwanger" – diese drei kleinen Worte bringen unglaublich viel Veränderung im Leben mit sich. Ob du als Frau zu Hause einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hältst oder die Bestätigung über die Schwangerschaft durch deinen Frauenarzt erhältst, ist dabei vermutlich egal. Das Gefühl in diesem Moment ist unbeschreiblich, schwer greifbar und für die meisten Frauen eine Mischung aus den unterschiedlichsten Emotionen. Glücklich, besorgt, voller Freude, Unsicherheit, fassungslos, erleichtert, aufgeregt, sprachlos und oft ein Gefühl von "ich muss mich erstmal setzten und tief durchatmen". Für die eine Frau ist es die lang ersehnte Bestätigung nach vielen Versuchen schwanger zu werden und vielleicht sogar einer Kinderwunschbehandlung. Für die nächste Frau ist es vielleicht völlig unerwartet und man ist mit der Information erstmal überfordert. Immer ist es ein besonderer Moment, den man vermutlich als Frau nie vergessen wird. Wenn sich neues Leben auf den Weg macht, ändert sich unglaublich viel und man übernimmt für einen langen Zeitraum eine große Verantwortung.

Vom Schwangerschaftstest bis zur Geburt

Insgesamt wächst über den Zeitraum von etwa 40 Wochen im Körper der Frau ein kleiner Mensch heran. Gemeinsam mit dem Frauenarzt oder der Hebamme wird anhand der letzten Periodenblutung oder dem Tag der Befruchtung der errechnete Geburtstermin des Kindes festgelegt und im Mutterpass eingetragen. Darüber kann die Frau auch stets berechnen, in welcher Schwangerschaftswoche (kurz SSW) sie gerade ist. Für eine bessere Übersichtlichkeit wird die Schwangerschaft insgesamt wie folgt in drei Trimester eingeteilt:

            Das erste Trimester: 1. bis 12. Schwangerschaftswoche

            Das zweite Trimester: 13. bis 27. Schwangerschaftswoche

            Das dritte Trimester: 28. bis 40. Schwangerschaftswoche beziehungsweise auch darüber hinaus, wenn sich das Baby etwas mehr Zeit nimmt.

Guter Hoffnung im ersten Trimester

Gerade das erste Trimester ist eine sehr aufregende Zeit, denn während körperlich sowohl bei der werdenden Mutter als auch bei dem Baby schon richtig viel passiert, ist von außen meist noch gar nichts so richtig zu sehen. Man ist "guter Hoffnung" und gleichzeitig ist es für viele Frauen auch eine Zeit der Unsicherheit. Laut Statistik liegen 80% aller Fehlgeburten im ersten Trimester. In so einem Fall erkennt der Körper zumeist, dass sich der Embryo nicht gut entwickeln würde und bricht die Schwangerschaft frühzeitig ab. Im Grunde ist es ein natürlicher Schutzmechanismus. Dennoch kann so ein Verlust für Frauen enorm belastend sein und entsprechend ist eine gewisse Anspannung und Sorge in den ersten Wochen durchaus nachvollziehbar und normal. Man darf und sollte sich aber auch erlauben, sich über die Schwangerschaft zu freuen und immer wieder Vertrauen zum eigenen Körper und dem ungeborenen Kind aufbauen. Tief durchatmen ist somit bereits in der Frühschwangerschaft wichtig.

Embryonale Phase in den ersten zwölf Wochen
Insgesamt spricht man bis zur zwölften Schwangerschaftswoche von der sogenannten „embryonalen Phase“ und das ungeborene Kind wird als „Embryo“ bezeichnet. Ab dem 2. Trimenon nennt man das Kind in der Fachsprache „Fötus", wobei die meisten Eltern hier deutlich kreativer und liebevoller mit der Namensgebung ihres Babys sind. Normalerweise ist ab der fünften Schwangerschaftswoche im Ultraschall die Schwangerschaft gut erkennbar, obwohl dein Baby hier erst wenige Millimeter groß ist. Etwa ab der siebten oder achten Schwangerschaftswoche sieht man mit etwas Glück bereits den Herzschlag. Termine für den ersten Ultraschall werden vom Arzt gern auf diese Woche geschoben, damit man auch ein aussagekräftiges Bild hat und es nicht zu Verunsicherungen kommt, weil das Kind einfach noch zu klein ist.Körperliche Veränderungen

Die ersten Schwangerschaftsanzeichen oder auch Beschwerden zeigen sich bei manchen Frauen bereits in den ganz frühen Wochen. Nach der Befruchtung der Eizelle wandert diese durch den Eileiter in die Gebärmutter und sucht sich hier einen Platz zum Einnisten. In dieser ersten Phase ist vor allem Zellteilung angesagt. Ein Teil entwickelt sich später zur Plazenta und der andere wird zur Fruchthöhle mit Embryo. In dieser Phase liegt die Basaltemperatur im weiblichen Körper etwa ein halbes Grad höher und manche Frauen bemerken ein sanftes Ziehen im Beckenboden. Dies basiert meist auf einem minimalen Zug auf den Mutterbändern und ist unbedenklich. Manchmal kann es dadurch auch zu Rückenschmerzen in der Schwangerschaft im ersten Trimester kommen. Wenn du dich dabei ertappst nach "Frühschwangerschaft Unterleibsschmerzen" bei Google zu suchen, solltest du lieber zur Sicherheit deinen Frauenarzt aufsuchen und alles abklären lassen. Fragen zu haben und sich unsicher zu fühlen, ist vollkommen normal.

Die Hormone und weitere Veränderungen

Auch hormonell passiert bei der Frau so einiges. Am Anfang steigt insbesondere das Hormon hCG (humanes Choriongonadotropin) deutlich an und genau dieses Hormon wird im Schwangerschaftstest über den Urin, oder beim Frauenarzt auch über das Blut, gemessen. Vermutlich ist der starke Anstieg von hCG auch für die typische Übelkeit in der Frühschwangerschaft verantwortlich. Ein flaues Gefühl im Magen vor allem in den Morgenstunden bis hin zu Spucken oder Erbrechen betrifft laut Statistik etwa 7 von 10 Frauen. Diese verbreitete Schwangerschaftsbeschwerde ist oft noch dadurch verstärkt, dass die Nasenschleimhäute in der Schwangerschaft besser durchblutet werden, man intensiver riecht und entsprechend geruchsempfindlich ist. So können manche Frauen zum Beispiel keinen Kaffee mehr riechen oder empfinden das Deo des eigenen Partners auf einmal als total intensiv. Während die Übelkeit bei den meisten Frauen nach dem 1. Trimenon verschwindet, bleibt die Geruchsempfindlichkeit für die gesamte Schwangerschaft. Gerade bei häufigem Erbrechen fragen Frauen oft nach einer Angabe: "Gewichtszunahme Schwangerschaft 1. Trimester". Im Durchschnitt nehmen Frauen in den ersten zwölf Wochen gerade mal knapp 2kg zu. Manche Frauen nehmen anfangs sogar ab, wenn Essen in dieser Zeit wirklich schwierig ist. Andere Frauen nehmen deutlich mehr zu, weil ihnen regelmäßiges Essen gegen die Übelkeit hilft. Hier gibt es also nicht den einen exakten Wert, sondern viele Faktoren spielen mit rein. Und auch wenn man die Gewichtsentwicklung über die Schwangerschaft im Auge behalten sollte und dieser Wert in der Regel bei der Vorsorgeuntersuchung im Mutterpass notiert wird, darf man sich hier als Frau entspannen und nicht zu sehr auf jedes Kilo achten. Bis zum errechneten Geburtstermin nehmen Frauen in der Regel zwischen 8 bis 20kg zu, die physiologisch Spanne ist also relativ groß.

Für die beschriebenen Beschwerden und Wehwehchen hilft in den ersten Wochen der Schwangerschaft in aller Regel unser Bauchliebe Schwangerschaftstee.

Die Hormonumstellung bewirkt zudem interessanterweise schon früh in der Schwangerschaft, dass sich die Brüste auf Milchproduktion einstellen. Das Wachstum der Milchdrüsen wird angeregt und manche Frauen haben auf einmal gut eine Körbchengröße mehr und sind zudem oft sehr empfindlich an den Brüsten. Mit der Zeit verfärben sich auch die Brustwarzen dunkler und werden zum Teil größer. Ebenfalls eine ganz klassische Begleiterscheinung durch die hormonelle Veränderung kann ein deutlich erhöhter Harndrang sein. Zum einen bewirkt das Hormon Progesteron eine Lockerung der Muskulatur, damit zum Beispiel die Gebärmutter als großer Hohlmuskel in den nächsten Monaten problemlos wachsen kann und auch die Bauchdecke entsprechend nachgibt. Von dieser Lockerung sind allerdings auch die Blase und der Darm betroffen. Daher sind Verstopfungen in der Frühschwangerschaft gar nicht so selten ein Problem. Hier sind ausreichendes Trinken sowie eine ballaststoffreiche Ernährung wichtig. Des Weiteren vermehrt der weibliche Körper deutlich das Blutvolumen, wodurch Organe wie Leber und Nieren mehr zu filtern haben. Viele Frauen haben durch diese Veränderung in der Frühschwangerschaft Probleme mit dem Kreislauf, bemerken schnell eine Kurzatmigkeit und verspüren oft eine große Müdigkeit und ein hohes Bedürfnis nach Schlaf. Daher sollte man mit Sport in der Schwangerschaft im ersten Trimester einige Dinge beachten. (Siehe Artikel Sport in der Schwangerschaft). Bis zum Ende der Schwangerschaft hat die Frau etwa 1,5l mehr Blut in ihrem Kreislauf, um das Kind entsprechend gut zu versorgen. Das gesamte Herz-Kreislauf-System muss sich auf dieses neue Volumen einstellen. Das Herz einer Schwangeren leistet etwa 30-50% mehr als sonst und gleichzeitig sinkt oft der Eisenwert etwas ab, was die Symptome Kurzatmigkeit und Müdigkeit verstärken kann. Daher sind Ruhepausen bereits in der Frühschwangerschaft und auch im weiteren Verlauf stets eine gute Idee. Photo by Gustavo Fring from PexelsEmotionale Achterbahnfahrt

Auch emotional gibt es – vor allem in der Frühschwangerschaft – bereits einige Veränderungen. Viele Frauen haben gerade im ersten Trimester ein ganz anderes Nervenkostüm. Man ist deutlich emotionaler und näher am Wasser gebaut. Schon bei einer kleinen Diskussion kommen einem manchmal die Tränen und von Überglücklich bis zu Total verzweifelt können alle Emotionen mit dabei sein. Gerade wenn sich dieses Gefühlschaos mit Müdigkeit paart, ist Rückzug angesagt. Man darf sich bereits in der Frühschwangerschaft mehr Schlaf gönnen, oder gezielt auf Entspannungs- oder Atemübungen zurückgreifen. Auch wenn es ungewohnt und im Berufsleben manchmal herausfordernd sein kann, diese erhöhte Sensibilität und Feinfühligkeit in der Schwangerschaft ist wichtig. So kann die werdende Mutter zum einen guten Kontakt mit dem ungeborenen Kind aufbauen und ist zum anderen für ihren eigenen Körper sensibler. Ein gutes, feines Körpergefühl ist in dieser Lebensphase besonders wichtig, um eventuelle Veränderungen frühzeitig zu bemerken. Daher darf man diese Veränderung liebevoll annehmen und sich einfach etwas mehr Ruhe gönnen. Dein wundervoller Körper ist gerade dabei neues Leben in diese Welt zu bringen. Selbst wenn das anfangs noch nicht sichtbar ist, benötigt es bereits im ersten Trimester viel Energie, Liebe und Achtsamkeit. Wir dürfen immer wieder bewundern, was der weibliche Körper in dieser Zeit alles leistet und über dieses kleine Wunder staunen.

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben."
Hermann Hesse

Verfasst von Evi Bodmann, Hebamme