Das dritte Trimester

Jede Phase der Schwangerschaft hat ihren besonderen Reiz und gleichermaßen auch einige Herausforderungen. Genauso verhält es sich auch im dritten Trimester. Der Bauch wird zunehmend größer und der Alltag damit etwas langsamer und teilweise beschwerlicher. Der Mutterschutz steht an und die Gedanken wandern bei den meisten Frauen zunehmend zur anstehenden Geburt und der Zeit danach. Gleichzeitig gibt es oft noch einiges zu organisieren und inmitten von all dem ist eine emotionale Mischung aus Vorfreude und Ängsten in dieser Phase der Schwangerschaft nicht selten. Schauen wir uns etwas genauer an, was bei der schwangeren Frau im letzten Schwangerschaftsdrittel alles passiert und ansteht, wie die Entwicklung beim Kind voranschreitet und an was man alles denken sollte.

Wann beginnt das dritte Trimester?

Wenn der Bauch zunehmend größer wird, kommt nicht selten von Seiten des Partners oder der Partnerin die Frage auf, wann das dritte Trimester genau beginnt. Denn es wird offensichtlich, dass die letzten Wochen vor der Geburt anstehen und somit auch das Ende der Schwangerschaft näher kommt. Das dritte Trimester beginnt mit der 28. Schwangerschaftswoche. Es stellt insofern eine besondere Zeit dar, da sich der Fokus nicht mehr nur auf die Schwangerschaft an sich richtet, sondern gleichzeitig auch auf die Geburt und die erste Zeit mit dem Neugeborenen.

Wie lang die Schwangerschaft wirklich dauert und wann das Kind sich auf den Weg macht, kann man im Grunde nicht genau wissen. Denn der errechnete Geburtstermin des Kindes richtet sich zwar nach der Befruchtung oder wurde anhand der letzten Periodenblutung und der Zykluslänger berechnet, aber nicht jede Schwangerschaft ist exakt gleich lang. Nur etwa 5% aller Kinder kommen direkt an ihrem errechneten Geburtstermin auf die Welt und daher sollte man sich eher auf einen Geburtszeitraum einstellen und nicht zu sehr auf den Termin fixieren.  Ab drei Wochen vor dem errechneten Termin (ET) sind die Kinder normalerweise startklar und sofern das Geburtsgewicht über 2500g liegt, wird auch nicht mehr von einer Frühgeburt gesprochen. Es gibt natürlich auch Kinder, die sich Zeit lassen und die Frau ist somit länger als 40 Wochen schwanger. Bis 14 Tage über den errechneten Termin kann eine Schwangerschaft schon mal gehen. Dabei wird die Überwachung von Mutter und Kind etwas engmaschiger und irgendwann kommt sicherlich auch das Thema Einleitung auf. Hier ist es wichtig im Kontakt mit sich selbst zu bleiben und Ruhe zu bewahren.Veränderungen und Beschwerden bei der Frau

Manche Frauen können das Ende der Schwangerschaft gar nicht abwarten. Gerade wenn Schwangerschaftsbeschwerden verstärkt auftreten, können die letzten Wochen der Schwangerschaft durchaus anstrengend sein. Wenn der Bauch zunehmend größer wird, fragen sich manche Frauen: "Ab wann ist man hochschwanger?" Eine exakte Definition gibt es hier nicht. Während sich manche Frauen bereits zu Beginn des 3. Trimesters so fühlen, liegt der gefühlte Zeitpunkt für andere Frauen erst später. Anatomisch betrachtet hat die Gebärmutter um die 36. Schwangerschaftswoche ihren höchsten Stand etwa am Rippenbogen der Frau erreicht. Danach senkt sich das Kind in der Regel ins Becken ab und der Bauch rutscht von außen betrachtet etwas nach unten. Durch dieses Absenken hat die Frau wieder mehr Luft um durchzuatmen. Auch der Druck auf den Magen nimmt ab, wodurch man wieder etwas leichter essen kann. Gleichzeitig drückt das Baby jetzt nach unten auf den Beckenboden und auf die Blase. So kann es gerade in der Nacht dazu kommen, dass die Frau noch häufiger auf Toilette gehen muss als zuvor. Manchmal kann es durch den Druck, der durch das Kind auf den Beckenboden entsteht, sogar zu einer Belastungsinkontinenz kommen. Auch andere Schwangerschaftsbeschwerden zeigen sich verstärkt im letzten Drittel der Schwangerschaft. Körperlich ist dies sicherlich die herausforderndste Phase für die schwangere Frau.

Am häufigsten zeigen sich:

  • Rückenschmerzen und Verspannungen
  • Wassereinlagerungen (vor allem in den Sommermonaten)
  • Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden
  • Schlaflosigkeit und häufiges Wasserlassen in der Nacht
  • Atemnot und Müdigkeit

Die meisten Frauen erleben im dritten Trimester sogenannte Vorwehen. Der Körper bereitet sich mit diesen Kontraktionen der Gebärmutter auf die Geburt vor. Hierbei gibt es die sogenannten Braxton-Hicks-Kontraktionen. Diese sind unregelmäßig und nur kleine Bereiche der Gebärmutter werden aktiv. Bewirken die Vorwehen in den letzten Wochen vor der Geburt ein Absenken des Kindes in das weibliche Becken, spricht man von Senkwehen. Übungswehen sollten generell keine Wirkung auf den Muttermund haben, sondern sind wirklich nur eine Vorbereitung auf die bevorstehende Geburt. Gleichzeitig wird das Gewebe rund um den Gebärmutterhals in den letzten Wochen vor dem errechneten Geburtstermin hormonell bedingt weicher und eine leichte Verkürzung sowie auch eine minimale Öffnung des Muttermundes kann vorkommen. Hierzu kann man individuell den begleitenden Frauenarzt oder die Hebamme befragen.

Erledigungen im dritten Trimester

In dieser Phase der Schwangerschaft geht es zunehmend auch um die Vorbereitung auf die anstehende Geburt, sowie die erste Zeit mit dem Kind. Die Vorsorgetermine beim Frauenarzt oder der Hebamme stehen ab der 30. SSW alle zwei Wochen an und ab 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt für die meisten Frauen der Mutterschutz an. Viele Frauen verlängern diesen Zeitraum sogar noch mit restlichen Urlaubstagen oder Überstunden. Um die 35. Schwangerschaftswoche steht zumeist die Anmeldung für die Geburt im ausgewählten Krankenhaus an. Viele werdende Eltern nehmen im dritten Trimester an einem Geburtsvorbereitungskurs teil. Hier gibt es ganz unterschiedliche Kursmodelle und Schwerpunkte. Es finden sich fortlaufende Kurse, die über mehrere Wochen gehen und auch Kurse, die ein Wochenende voll ausfüllen. Bei manchen ist der Partner oder die Partnerin die gesamte Zeit dabei, bei anderen Kursmodellen nur zum Teil und ebenso gibt es reine Frauenkurse, wo die Schwangeren unter sich sind. Am besten spricht man im Vorfeld mit der Hebamme und wählt dann den für sich passenden Kurs aus. Bei vielen Frauen zeigt sich der sogenannte "Nestbautrieb". Man möchte das Kinderzimmer oder die Wickelkommode fertig haben, die Erstausstattung an Kleidung wird gewaschen und sortiert, Checklisten werden überprüft und gefühlt muss noch die gesamte Wohnung geputzt werden. Nicht selten kommt es hier zu Spannungen in der Beziehung. Verständnisvoll miteinander reden und genau absprechen, was noch gemacht werden muss und wer für welchen Bereich zuständig ist, kann hier hilfreich sein.Was du im letzten Trimester noch machen kannst:

  • Dir immer wieder Zeit für dich nehmen (Spaziergänge, Yoga, Sport, Entspannung, Meditation & Atemübungen, Massage, Entspannungsbad, ...)
  • Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs
  • Anmeldung zur Geburt im Krankenhaus
  • Elterngeldantrag und andere Formulare vorbereiten
  • ggf. Termine für gemeinsames Sorgerecht und Vaterschaftsanerkennung

Bei all den Vorbereitungen für die Geburt sollte man im letzten Schwangerschaftsdrittel auch das Wochenbett bedacht und vorbereitet werden. Mit dem Partner / der Partnerin über Vorstellungen der ersten Zeit nach der Geburt zu sprechen, ist so wichtig. Denn diese gehen teilweise stark auseinander. Wie viel Besuch möchte man haben und wer soll kommen? Vielleicht möchte man auch erstmal für sich sein, die Geburt verarbeiten und das neugeborene Kind ganz in Ruhe selbst kennenlernen? Wie sieht es aus mit Essen und Hausarbeit in den ersten Wochen nach der Geburt aus? Wer übernimmt was und wo kann man sich von außen über Familie und/ oder Freunde unterstützen lassen? Diese Fragen sollte man am besten bereits in der letzten Phase vor der Geburt gemeinsam klären.

Was beim Baby passiert

Das ungeborene Kind nimmt im letzten Trimester vorrangig an Größe und Gewicht zu. Am Anfang vom letzten Schwangerschaftsdrittel wiegt es im Durchschnitt gerade mal 1000g und hat eine Länge von etwa 37cm. Bis zum Tag der Geburt wird es bis auf eine Länge von etwa 50cm gewachsen sein und etwa 3500g wiegen. Eine ziemlich beachtliche Veränderung. Dadurch wird es natürlich in den letzten Wochen der Schwangerschaft im Bauch der Mama auch zunehmend enger und die Kindsbewegungen verändern sich. Purzelbäume und ständige Bewegungen sind nicht mehr so möglich, wie noch vor einigen Wochen. Gleichzeitig werden gerade die Tritte des Kindes kraftvoller, was manche Mama deutlich spürt. Während die Fettreserven beim Baby zunehmen, bildet sich die sogenannte Lanugobehaarung langsam zurück. Einen kleinen Teil dieser feinen Härchen kann man nach der Geburt bei vielen Kindern noch sehen. Ähnlich verhält es sich mit der sogenannten Käseschmiere. Sie schützt während der Schwangerschaft die Haut des Kindes und bildet sich am Ende nach und nach zurück. Wenn das Kind auf die Welt kommt ist diese manchmal komplett verschwunden und bei anderen Kindern noch deutlich sichtbar.Photo by Melike Benli from PexelsIm 3. Trimenon dreht sich das Kind für die bevorstehende Geburt in die passende Lage. Etwa 5% aller Babys liegen mit dem Popo nach unten in der sogenannten Beckenendlage. Hier muss individuell geschaut und entschieden werden, wie die Geburt ablaufen kann und was die Frau eventuell unterstützend in den nächsten Wochen machen kann. Die meisten Kinder liegen im dritten Trimester mit dem Kopf nach unten und senken sich etwa ab der 36. Schwangerschaftswoche in das mütterliche Becken ab. Die in diesem Zeitraum typischen Senkwehen der Gebärmutter unterstützen diesen Prozess. Manche Kinder sinken jedoch erst am Tag der Geburt ins Becken - hier gibt es zahlreiche Varianten. Die Vorwehen am Ende der Schwangerschaft unterstützen zudem die Lungenentwicklung des Kindes. Die kindlichen Organe sind im dritten Trimester im Grunde alle bereit und das Kind trainiert weiterhin die Muskulatur und bereitet den Körper auf die Phase nach der Geburt so gut es geht vor. Bereits gegen Ende des zweiten Trimesters beginnt das Kind über die Sinne mehr und mehr von der Außenwelt mitzubekommen. Es kann die Augen öffnen und so Lichtveränderungen wahrnehmen. Es schluckt Fruchtwasser und kann schmecken und riechen. Akustische Reize werden nicht nur wahrgenommen, sondern das Kind kann sogar unterschiedliche Personen und Sprachen erkennen. Nach der Geburt wirkt vor allem die Stimme der Mutter beruhigend auf das Kind aber auch die von dem werdenden Vater oder der Partnerin werden erkannt und wirken positiv auf das Kind.

Verfasst von Evi Bodmann, Hebamme