Baby Beikost

Irgendwann kommt für jedes Baby der Zeitpunkt, an dem der Wechsel von Milch zu Beikost ansteht. Gerade beim ersten Kind ist dies natürlich eine spannende Phase. Für die meisten Eltern bedeutet dies Aufregung und natürlich auch einige Fragen, denn man möchte ja alles richtig machen. Ganz zu Anfang gilt erstmal zu klären: Wann fängt man überhaupt mit Beikost an?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Beikost?

"Ab wann Beikost?" – diese Frage stellen sich viele Eltern. Grundsätzlich ist es sehr schwierig einen exakten Zeitpunkt für den ersten Brei festzulegen, denn jedes Kind ist ganz einzigartig und daher in der individuellen Entwicklung unterschiedlich. Auch die jeweiligen Fähigkeiten und Interessen variieren. Dies sollte beim Beikostbeginn unbedingt berücksichtig werden. Für die meisten Kinder kommt im Alter von fünf bis sieben Monaten die Phase, in der sie körperlich für feste Nahrung bereit sind und sich dafür auch zunehmend interessieren. Es gibt die sogenannten "Beikostreifezeichen", an denen man sich gut orientieren kann. Denn hierbei geht es ganz um die Entwicklung und das Interesse des Kindes. Und das ist sinnvoller, als bei der Einführung von fester Nahrung nur auf das Alter zu schauen. Gerade wenn das Kind zur Beikosteinführung aktives Interesse zeigt, hat man mit dem ersten Brei deutlich mehr Freude und die Ernährung des Kindes stellt sich in der Regel schneller von Stillen oder Fläschchen auf Beikost um.

Beikostreifezeichen

Aufrechtes Sitzen und Kopfkontrolle
Dein Kind sollte in der Lage sein, mit wenig Unterstützung aufrecht zu sitzen. Achte darauf, dass die Kraft in der Rumpfmuskulatur ausreicht, um eine aufrechte Körperhaltung für einige Zeit halten zu können. Gleichzeitig sollte dein Baby auch den Kopf gut halten und kontrollieren können. Im Sitzen alleine die Balance zu halten, ist ohne Unterstützung in diesem Zeitraum meist noch nicht möglich und daher ist leichte Hilfe durch den Erwachsenen beim Sitzen vollkommen in Ordnung. Beim Essen sollte dein Kind übrigens immer in einer aufrechten Position sein.

Greifen mit der ganzen Hand und Hand-Mund-Koordination
Um eigenständig essen zu können, benötigt dein Kind die Kontrolle über die eigene Hand und sollte in der Lage sein, Dinge mit der gesamten Hand zu greifen und diese dann bewusst zum Mund führen zu können. Meist wird zu dieser Zeit alles über den Mund erkundet und das Kind übt die Hand-Mund-Koordination über den gesamten Tag.
Kaubewegungen
Dein Kind wird in den Wachphasen unglaublich viel mit den Händen und dem Mund machen. Spielzeuge werden in den Mund gesteckt und dann wird darauf rumgekaut. Genauso werden auch die eigenen Hände erkundet. Der Kiefer und die Kaumuskulatur sind fleißig am Arbeiten. Oft geht diese Phase der Erkundung mit dem Zahnen einher. Oft sabbern Kinder sehr viel und neben dem Erkunden ist diese orale Phase auch eine gute Vorbereitung auf die Beikost.

Abgeschwächter Zungenstreckreflex
Zum Schutz vor Verschlucken und Ersticken, und ebenso wichtig für das Stillen ist der sogenannte Zungenstreckreflex. Wenn man einem Neugeborenen einen Schnuller in den Mund steckt, wird 2 von 4 dieser zumeist direkt über den Zungenstreckreflex wieder "ausgespuckt". Mit der Zeit schwächt dieser Reflex ab und verliert sich irgendwann vollständig. Damit ein Kind überhaupt essen kann und nicht gleich alles vom Löffel wieder mit der Zunge aus dem Mund herausschriebt, ist dieser Punkt sehr wichtig. Denn nur so kann das Kind mit der Zunge Nahrung zum Schlucken im Mund nach hinten transportieren. Für die Einführung der Beikost sollte man den Zungenstreckreflex unbedingt beachten. Oft liegen hier nämlich die Ursachen, wenn ein Kind den Brei direkt wieder aus dem Mund mit der Zunge herausschiebt. Oft ist es keine Abneigung gegen die Nahrung an sich.

Interesse und Nachahmen von Essverhalten
Babys lernen überwiegend über Beobachten und Nachahmen – so ist es natürlich auch beim Essen. Daher ist es auch bei kleinen Kindern durchaus sinnvoll, sie bei Mahlzeiten immer wieder dabei zu haben – selbst wenn sie noch nicht direkt mitessen. Für einen angenehmen Beikoststart ist ein aktives Interesse des Kindes am Essen hilfreich und wichtig. Dein Kind beobachtet was die anderen Personen machen und wird dies irgendwann selbst ausprobieren wollen. Es beginnt nach dem Essen zu greifen und möchte mit Besteck spielen. Das ist ein guter Punkt, um dem Kind nicht nur Spielzeug anzubieten, sondern mit den ersten Mahlzeiten Babybrei oder Fingerfood anzufangen.

Brei oder Fingerfood

Bei Beikosteinführung denken die meisten Eltern zunächst noch an Babybrei. Klassischer Gemüsebrei zum Mittag, dann den Abendbrei, irgendwann vielleicht auch Gemüse Kartoffel Fleisch Brei – so in etwa stellen sich das viele vor.
Von Fingerfood hört man immer mehr, doch viele Eltern können sich darunter erstmal gar nichts vorstellen und greifen ganz klassisch auf Nahrung aus dem Gläschen zurück. Es spricht überhaupt nichts dagegen, die Ernährung des Kindes über Brei und Fingerfood zu gestalten. "Baby-Led-Weaning" heißt die Form der Beikosteinführung, bei der das Kind von Anfang an recht eigenständig isst. Dabei bekommt das Kind direkt Lebensmittel, die es bereits greifen kann und die von der Konsistenz auch ohne Kauen und allein über lutschen machbar sind. So gestaltet das Kind die Beikosteinführung noch selbständiger und übt natürlich stark die Hand-Mund-Motorik.
Gleichzeitig ist die Ernährung für das Kind deutlich vielseitiger. Konsistenz und Textur von Lebensmitteln sind ganz unterschiedlich und das Kind lernt all dies kennen. Bei der klassischen Einführung über Babybrei wird das Kind eher passiv an die Nahrung herangeführt und während der Geschmack natürlich variieren kann, ist die Konsistenz doch immer ähnlich. Gleichzeitig kann das Kind über Babybrei schneller größere Mengen essen und die Mahlzeit an sich dauert nicht so lange. Die "Babygesteuerte Einführung der Beikost" ist spielerischer und dauert länger. Beide Varianten haben Vor - und Nachteile und auch hier haben Kinder unterschiedliche Präferenzen, die man beachten sollte. Eine Mischung aus klassischem Babybrei und ebenso Fingerfood anzubieten ist eine schöne Möglichkeit.

Beikostplan

Bei der Einführung von fester Nahrung gibt es einiges zu beachten und als Eltern sollte man sich in das Thema Beikost etwas einlesen, um dann entspannt starten zu können.
Einen groben Beikostplan zu haben, ist sicherlich sinnvoll und für viele Eltern hilfreich. Ernährung ist ein Thema, was uns unser gesamtes Leben begleitet, daher sollte man die Basics kennen und mit Begriffen wie „gute Fette“, „Eiweiß“ und „Kohlenhydrate“ vertraut sein. Man sollte sich über Nährstoffe wie Eisen und natürlich auch Vitamine Gedanken machen und die Ernährung gesund und abwechslungsreich gestalten – und zwar unabhängig davon, ob man Babybrei aus dem Gläschen füttert, man selbst kocht oder die Einführung der Beikost über Fingerfood gestaltet.
Eine grobe Übersicht zu haben, mit welchen Lebensmitteln man beginnt und wie es dann weitergeht, entspannt. Gleichzeitig sollte so ein "Baby Ernährungsplan" immer noch flexibel sein, denn jedes Kind hat unterschiedliche Vorlieben. Auch wenn es um die Menge der Nahrung geht, ist es immer wieder sinnvoll, sich am Kind zu orientieren, sich eher Zeit zu lassen und vor allem dem Kind keinen Druck zu machen.
Babybrei versteht das Kind erstmal überhaupt nicht als Essen. Es ist im Grunde erstmal ein neues Spiel und interessant. Dass diese Form der Nahrungsaufnahme tatsächlich auch gegen Hunger hilft, muss dein Kind erstmal lernen. Lass auf jeden Fall das Tempo, sowie auch die Menge der Nahrung vom Kind bestimmen. Man kann und sollte vieles ausprobieren, aber nicht gleich alles auf einmal. Dein Kind hat über Monate immer die gleiche Nahrung bekommen. Wenn ihr also jetzt eine Woche lang erstmal mit einer Gemüsesorte anfangt, wird sich dein Kind nicht automatisch langweilen. Mit leicht verdaulichen Dingen beginnen und sich dann immer wieder an neue Zutaten wagen. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist für Kinder ebenso wichtig, wie für Erwachsene. Salz und Gewürze sollte man am Anfang weglassen.

Zu welcher Tageszeit beginnt man?

Mit dem Mittagsbrei beginnen die meisten Familien. Dies ist eine praktische Tageszeit, denn hier haben die Kinder oft eine gute Wachphase, die man für den ersten Gemüsebrei oder Fingerfood nutzen kann. Je nach Schlaf- und Wachphasen des Kindes kann dies auch gern ein Nachmittagsbrei werden. Obst und Gemüse ist leicht verdaulich und enthält in der Regel viel Wasser – daher kann man bei der Einführung der Beikost gut mit einem Gemüsebrei starten.
Als nächste Mahlzeit nach dem Mittagsbrei kommt in der Regel der Abendbrei. Hier kann man ebenfalls den ersten Brei einfach aus Gemüse einführen. Später wechseln viele Eltern dann auf den Milch-Getreide-Brei, da dieser – gerade auf die Nacht hin – in der Regel gut sättigt und das Kind damit gut durch eine längere Schlafphase kommt. Eine Kombination, wie zum Beispiel Gemüse-Kartoffel-Brei oder auch ein Getreidebrei mit Obst, würde am Abend natürlich ebenfalls funktionieren.
Grundsätzlich sollte man immer im Kopf haben, dass wir in dieser ersten Phase das Baby an Brei gewöhnen und dies natürlich eine gewisse Zeit dauert. Der Darm muss sich an die neue Nahrung gewöhnen und für die Verdauung ist die Beikosteinführung eine gewaltige Umstellung. Daher ist es sinnvoll Stillen und Zufüttern zu kombinieren, denn so hat der Darm sowohl die gewohnte Muttermilch als auch die neue Nahrung und kann sich nach und nach umstellen.
Mit der Zeit kommt dann ein Getreide-Obst-Brei mit dazu. Nach und nach wird sowohl der Mittagsbrei als auch der Abendbrei oder die entsprechende Mahlzeit mit Fingerfood fest etabliert sein. Mit einer Mischung von Gemüse-Kartoffel-Fleisch kann man sich ruhig Zeit lassen, denn Fleisch ist relativ schwer verdaulich. Hier sollte dein Kind bereits eine gute Grundlage an Obst, Gemüse und Getreide kennen und ohne Probleme essen und verdauen, bevor ihr mit der nächsten Nahrungsmittelgruppe beginnt. Bei Milch-Getreide-Brei kann man sowohl fertige Babymilch nehmen als auch Kuhmilch oder pflanzliche Produkte. Die Zusammensetzung von Fetten und Eiweißen ist natürlich recht unterschiedlich und sollte immer bedacht werden. Ein reiner Getreidebrei am Abend mit etwas Obst oder Gemüse funktioniert genauso wie ein Milch-Getreide-Brei, ist aber für die kleinen Nieren oft weniger belastend. Rezepte und auch Ideen für Fingerfood findet man online übrigens jede Menge.

Gläschen oder selbst kochen?

Ob man den Brei für sein Kind selbst kochen möchte oder fertige Gläschen kauft, ist immer eine individuelle Entscheidung. Beides funktioniert und auch mal zu mischen ist eine gute Möglichkeit. Man sollte im Kopf behalten, dass die Kinder gerade in den ersten Wochen der Beikosteinführung noch keine wirklich großen Mengen essen. Frisch zubereiteter Gemüsebrei für drei bis vier Teelöffel ist natürlich eine Herausforderung. Ein Gläschen mit erstmal 200 ml zu kaufen und dann nach und nach aufzubrauchen ist daher eine gute Option. Gleichzeitig weiß man beim selbst zubereiteten Brei immer genau, was drin ist und kann gut lokales und saisonales Obst und Gemüse nutzen. Hierbei ist wichtig, immer eine entsprechende Menge Fett zum Babybrei hinzu zu geben, denn nur so können die fettlöslichen Vitamine A, D und E auch aufgenommen werden.
Für einen Mittagsbrei oder Abendbrei mit 200g Gemüse gehören gut 2 Teelöffel Öl. Auch wenn man einen Getreide-Obst-Brei zubereitet, sollte entsprechend Fett zugegeben werden. Gerade in der ersten Phase stillen die meisten Mütter noch. Das Kind erhält also auch noch eine gute Menge an Nährstoffen über die Muttermilch (oder entsprechende Alternative) und man muss sich hier nicht verrückt machen, wenn das Kind mal nur eine kleine Menge gegessen hat.
Für die Beikost kann man je nach Geschmack natürlich unterschiedliche Fette nutzen. Allgemein kann man gut mit Beikostöl arbeiten oder natürlich auch mal Fette wie Avocado und später Nussmus nutzen. Man sollte beachten, dass manche Fette, wie zum Beispiel Leinöl, nicht besonders hitzeverträglich sind und zudem dunkel gelagert werden sollten. Andere Öle eigenen sich gut zum Erhitzen und auch im Geschmack gibt es natürlich Unterschiede. Auch in diesem Bereich der Beikost kann man vieles ausprobieren und immer wieder kreativ werden.

Mit Freude Beikost einführen

Ganz wichtig ist bei der gesamten Thematik Beikost: Du kennst dein Kind und kannst es am besten einschätzen. Lass dich also mit dem Tempo oder auch Mengen nicht verunsichern, wenn es bei anderen Kindern ganz anderes läuft als bei euch. Dein Kind sollte vor allem Freude am Entdecken von Nahrung haben und frei von Erwartungen, Druck oder Zwang mit dem eigenständigen Essen beginnen dürfen. Vielleicht kommt der erste Gemüse-Kartoffel-Brei nicht so gut an aber dein Kind mag Getreide-Obst-Brei super gerne. Oder dein Kind hat direkt eine Vorliebe für Fingerfood. Auch ob Gläschen kaufen oder selbst kochen, ist im Grunde egal, denn beides hat Vor- und Nachteile und man darf auch einfach mal mischen.
Vertraue sowohl deinem Kind und als auch dir selbst als Mama oder Papa. Ihr dürft das in eurer Version ausprobieren und nach und nach lernen. Nicht alles wird gleich gut funktionieren und schmecken und das ist vollkommen in Ordnung. Lasst euch Zeit und habt Freude am Entdecken und Lernen. So macht das Kapitel Beikost auch ganz viel Freude.

Verfasst von Evi Bodmann, Hebamme